Editorials

von Guglielmo L. Brentel und Martin Sturzenegger

Guglielmo L. Brentel, Präsident

Was war das für ein Jahr! Und noch immer hat uns dieses Virus im Griff. Doch: Jede Krise hat ein Ende. Die Fragen, die uns Touristiker heute umtreiben: Wie überlebe ich bis dahin und wie kann ich mich auf die Zeit danach vorbereiten? Antworten auf diese und weitere Fragen haben wir in einem Whitepaper zusammengestellt. Es ist eine Auslegeordnung der Situation und stellt Thesen auf, wo und wie es die Zukunft anzupacken gilt. Das Ziel ist, eine breite Diskussion zu lancieren und enkeltaugliche Massnahmen zu finden, die uns durch die epochale Misere bringen.

Wir stehen alle in der Pflicht. Die kreativen – und genau auf die künftigen Kundenbedürfnisse eingestellten – Angebote müssen einerseits gebündelt werden. Andererseits muss die Effizienz gesteigert werden, damit die Rentabilität in unserer Branche nach der Krise steigt. Für Marketingorganisationen wie Zürich Tourismus gilt es primär, für Nachfrage während und besonders nach dem Tiefpunkt zu sorgen und unsere wundervolle Destination begehrenswert und attraktiv zu halten. Und der Bund muss dank harmonisierten Reisebestimmungen das grenzüberschreitende Reisen bald wieder möglich machen.

Einige konkrete Forderungen und Thesen aus dem Whitepaper sind: Liberalere Sonntagsöffnungszeiten bringen eine Belebung der Innenstädte. Mit dem Allmend-Prinzip werden Kooperationen gefördert, dank denen viele entlang einer Wertschöpfungskette profitieren. Zudem würde Zürich ein neues Projekt à la Hafenkran guttun. Dieser löste weltweites Echo aus. Jetzt gilt es, mit demselben Mut kühne Projekte mit maximaler Wirkung zu erzeugen. Gerne ermuntere ich Sie, die detaillierten Beschreibungen unserer Thesen im Whitepaper nachzulesen.

Mein grosser Dank gilt den Mitgliedern und touristischen Partnerinnen und Partnern. Sie sind dafür verantwortlich, dass Zürich attraktiv bleibt. Nicht nur für die Besucherinnen und Besucher, sondern gerade auch für die lokale Bevölkerung. Dank der Tourismusbranche gibt es alleine in Zürich über 24'000 Beschäftigte. Ich wünsche mir, dass möglichst wenigen den Schnauf ausgeht bis zum Ende dieser Krise. Denn ein so wichtiger Wirtschaftszweig verdient in Zürich eine prosperierende Zukunft.

Martin Sturzenegger, Direktor

Das Jahr 2020 begann stark. Im Januar und Februar gab es ein Plus bei den Logiernächten zu verzeichnen. Und dann das: erste Meldungen einer komplizierten Viruserkrankung in China. Bald hiess es, der chinesische, oder vielleicht gar der asiatische Markt, könnten ins Wanken geraten und einige Übernachtungen würden in einer immer noch schönen Endjahresbilanz fehlen. Nun, es kam ganz anders: quasi über Nacht der touristische Stillstand. Gespenstisch leere Flughäfen, trostlos verlassene touristische Highlights und leere Hotelbetten. Zum Teil dramatisch waren die Auswirkungen für viele touristische Leistungsträger unserer Destination. Einige mussten ihre Betriebe schliessen. Vielen steht das Wasser bis zum Hals. Auch unseren Verein hat die Krise getroffen. Die Einnahmen fielen um bis zu X Prozent aus. Kurzarbeit musste eingeführt werden und viele Projekte wurden eingefroren oder ganz abgesagt. Und trotzdem lief der Laden weiter.

Ich bin deshalb unglaublich stolz auf die Mitarbeitenden. Darauf, wie schnell sie bezüglich ständigem Homeoffice adaptiert und wie flexibel sie auf die vielen Herausforderungen reagiert haben – etwa bei der Einführung der Kurzarbeit. Das HR musste über Nacht vollkommen neue Löhne berechnen, die Buchhaltung wöchentlich neue und komplizierte Budgetberechnungen aufstellen. Die Märkte- und Kongressteams hielten – organisatorisch erst gerade zu einer Einheit gewachsen – mittels digitalen Formen der Kontaktaufnahme weiterhin den direkten Draht zu den vielen Stakeholdern in den Märkten. Die Tourist Information blieb auch mit knappen personellen Ressourcen wann immer möglich besetzt oder wenigstens via E-Mail und Telefon erreichbar. Und dem Marketing gelangen mit der Re-Opening-Kampagne nach dem ersten Lockdown, der «Züvenirs»-Sommerkampagne und der Genuss-Herbstkampagne trotz knappem Budget einige grosse Würfe.

Mein herzlicher Dank gilt allen Mitarbeitenden von Zürich Tourismus. Sie haben trotz schwierigen Umständen – noch sind wir mittendrin – alles gegeben. Damit die Organisation und somit die Destination bereit sind, wenn wir dank offenen Grenzen wieder mehr Touristinnen und Touristen in unserer wunderschönen Feriendestination begrüssen dürfen.